Ironman Frankfurt – European Championship und Deutsche Meisterschaft Lang-Distanz

Yvonne Most und Roger Pieruschka beim IRONMAN Frankfurt 2016 - Deutsche Meisterin und EuropameisterinEin Rennbericht von Yvonne Most

Für uns war der IRONMAN Frankfurt am 3. Juli 2016 der Saisonhöhepunkt, darauf haben wir die komplette Vorbereitung ausgerichtet und entsprechenden Aufwand betrieben. Es war aufregend wie immer und auch emotional wie immer.

Schon die Anreise am Donnerstag hatte es in sich – etwa 100 m vor dem Hotel musste mal jemand unvermittelt rückwärtsfahren… naja, die Beule ist sicherlich nicht so schlimm, aber hätte nicht sein müssen.
Der Freitag war dann schon etwas ruhiger, Startunterlagen abholen, nochmal eine lockere Radausfahrt und natürlich an der Wettkampfbesprechung teilnehmen, wo normalerweise alles Wichtige gesagt wird. Aber beim Punkt Neoprenverbot hielt man sich bedeckt und sagte doch allen Ernstes, dass offiziell eine Stunde vor dem Start darüber entschieden wird. Das sind DTU Regeln, die man sicherlich beim letzten Dorftriathlon nachmittags um 2 anwenden kann, wenn sich das Wasser morgens in der prallen Sonne noch erwärmt, aber beim IRONMAN und eindeutiger Wetterlage ist das mehr als unangemessen. Ja ok, aber der Tag hatte dann doch noch ein Highlight. Wir trafen vor dem Hotel Antonio aus Peru. Er war ebenfalls in unserer AK, vollkommen aufgeregt und befand sich grad auf dem Weg zur Triathlonmesse, um sich einen 3. Flaschenhalter zu besorgen.

Er erzählte uns nicht nur seine halbe Lebensgeschichte, sondern auch, dass er zum 1. Mal startet – also nicht nur in Frankfurt, sondern dass es überhaupt sein allererster Triathlon sei. Wir waren sprachlos, dafür redete Antonio umso mehr und wollte von uns noch einige Tipps. Als erstes konnten wir ihm den 3. Flaschenhalter ausreden (Bedienen hinter dem Sattel erfordert schon etwas Übung) und als nächstes auch das Befestigen der Schuhe am Rad. Das wäre vermutlich nicht so gut ausgegangen…Er bedankte sich überschwänglich und erzählte uns noch, dass er sonst Marathon läuft, eigentlich immer unter 3 Std., was uns insgesamt beruhigte, denn wir ahnten, dass er leiden wird, aber insgesamt auf jeden Fall das Ziel erreichen kann.

Der Samstag begann mit einem Frühstück auf einem Fahrgastschiff auf dem Main. Alle AWA Gold und Silber –Athleten *) waren eingeladen, wir auch! Als Höhepunkt der lockeren Veranstaltung waren die IRONMAN Weltmeisterinnen Paula Newby-Fraser und Mirinda Carfrae anwesend. Aufgeschnappt habe ich den Satz von Mirinda – „habt Plan B und C". Danach haben wir versucht, möglichst im Trockenen - es regnete schon seit dem frühen Morgen - nochmal die Räder auf der Rennstrecke zu testen, anschließend fuhren wir an den Langener Waldsee zum Check-In. Aufgrund der umständlichen Anreise zieht sich die Prozedur immer ewig und der Tag vor dem großen Rennen ist total anstrengend, die Nacht kurz mit extrem wenig Schlaf. Aufgrund der widrigen Witterung hatte man auf der IRONMAN Internetseite die Neoprenerlaubnis erteilt – zumindest für die Agegrouper; also für uns sehr beruhigend. 3:15 klingelte der Wecker, um 4 standen wir am Shuttle Bus und hatten Glück mitgenommen zu werden, denn es drängelten sich bereits die Zuschauer dazwischen, so dass einige Athleten ewig warteten und erst gegen 6 in der Wechselzone ankamen – sowas kann man am Wettkampfmorgen nicht gebrauchen, zumal bis 6:15 Uhr alle die Wechselzone zu verlassen hatten.

Um 6:30 Uhr starteten die Profis, den kurz zuvor nebenbei gesagt wurde, dass für sie das Neoverbot eintritt, was insgesamt bei allen Verwunderung vernehmen ließ – Wasser 21,8 °C und Luft 12°C! Mit Fleece-Jacke über dem Neo und plüschigen Hotelhausschuhen warteten wir auf unseren Start – Rolling Start, Beginn 6:40 Uhr. Wir ordneten uns in die Startblöcke ein und wurden dann so gegen 6:50 Uhr auf die große „Reise“ über 3,8 km geschickt. Es schwamm sich ganz gut, Prügeleien und sonstige Unannehmlichkeiten hielten sich in Grenzen. Unsere Schwimmzeiten waren unauffällig und danach geht’s ja sowieso erst richtig los!! Leider zeigte sich auch nach dem Schwimmen noch immer keine Sonne und es blieb auch auf der Radstrecke noch lange grau, aber trocken. Vorsorglich striffen wir uns bei, Wechsel noch das Radtrikot über – was insgesamt eine gute Entscheidung war.

Auf zu den 180 km! Ich zähle bei den Wettkämpfen alle Frauen, die ich überhole. Das ist eine schöne Beschäftigung, spornt mich an und lenkt von solchen Sachen ab, die nicht so rund laufen – also irgendwie fühlte es sich nicht so gut an – aber das kann man dann auch nicht ändern und Feuer frei zum nächsten Überholvorgang! Die Straßen durch und um Frankfurt sind stellenweise furchtbar, aber insgesamt fährt sich`s ziemlich flüssig. Kampfrichter waren genügend unterwegs und da ich es ohnehin nicht höre, ob ein Motorrad im Anmarsch ist, halte ich immer genügend Abstand. Bei 3.000 Startern ist allerdings die wenig selektierende Radstrecke einfach überfüllt. Die Radrunde endet mit einer langen streckenweise sehr engen Abfahrt von Bad Vilbel, zwei Männer fuhren nebeneinander vor mir, die ich leider nicht überholen konnte. Ein wichtiger DTU Kampfrichter zeigte mir gleich die blaue Karte, was 5 min Zeitstrafe bedeutet. Im Wettkampf meide ich jegliche Kommunikation – kostet nur Kraft und bringt mich nicht weiter. Mit einer Portion Wut fuhr ich weiter – die Strafbox kam dann bei km 130 – brechend voll und ein leicht überforderter Referee bat mich, auf eine Stoppuhr zu warten – wie gesagt ohne Worte. Es wurde dann auch eine Uhr frei und die Zeit konnte genommen werden. Auf die Idee, mir vielleicht die vergeudete Zeit zu erlassen kam man nicht…

So – weiter geht`s ich setzte wieder neu an mit Zählen, manche überholte ich wieder an der gleichen Stelle wie in der 1. Runde, allerdings konnte ich nicht alle überholen, die ich bereits eingesammelt hatte. Ab km 160 änderte sich das betrübliche Wetter und ein Wolkenbruch ging hernieder. Am Bad Vilbeler Berg stoben die Zuschauer auseinander. Die paar verbliebenen feuerten aber noch kräftig an – mir graute nur vor der Abfahrt, aber auch das habe ich hingekriegt – allerdings schon etwas zittrig. Also Rad bei Roger ganz passabel, bei mir naja, aber abgerechnet wird zum Schluss!

Wechsel lief gut, Regen hörte auch erstmal auf und die ersten 2 km liefen wunderbar – keine Wade (die mir im Vorfeld ja so einige Probleme bereitete), viele Zuschauer ein bisschen Sonne – eben IRONMAN. Weil`s so gut ging, tobte ich mit großen Schritten gleich die erste Brückenrampe hoch und dachte nur „was machst du eigentlich?“ Mein rechter Oberschenkel krampfte sich, dass es mir himmelangst wurde, die Idee mit dem Dehnen ging voll daneben. Ich schrie mich an (natürlich lautlos) - „reiß dich zusammen, du hast nichts“ und lief weiter, stampfte die Rampe runter, nahm Salz und weiter – wie ein Uhrwerk. Unsere „Fanclubs“ waren gut verteilt, so dass man sich schon immer darauf freute. Die Versorgung lief bei mir ganz gut – anfangs mit Gel, dann mit Cola, Salz und Banane kam ich gut zurecht. Leider ging`s bei Roger nicht ganz so glatt, er musste dann doch einige Male das Dixi aufsuchen. Beim Laufen sind die Überholvorgänge unübersichtlich und man kann nur noch bedingt reagieren. Da es mit einer neuen Bestzeit bei mir offensichtlich sehr schwer wurde, versuchte ich Plan B – unter 11 Stunden. Das ging auf und ich freute mich natürlich auf das 4. Bändchen, dann sind`s noch 3 km – 1x Brücke und bald da.

Auf der Zielgeraden tobten die Massen – unglaublich! Im Ziel wurde ich von Roger empfangen – es gab viel zu erzählen und das Foto am Brunnen vor der Paulskirche wurde durch die 3 Stufen zur absoluten Herausforderung.

Wie ging`s nun aus?  Die schlichten Ergebnisse:

Roger Pieruschka:

  • Swim: 1:07:39
  • Bike: 5:12:20
  • Run: 3:57:42
  • Gesamt: 10:25:28 Std - persönliche Bestzeit
  • 52. Platz in der Altersklasse von 335 Startern

Yvonne Most:

  • Swim: 1:17:14
  • Bike: 5:36:46
  • Run: 3:51:09
  • Gesamt: 10:52:24 Std.
  • 1. Platz in der Altersklasse von 40 Starterinnen
  • AK - Europameister
  • AK - Deutscher Meister Langdistanz
  • Quali-Slot zur Weltmeisterschaft auf Hawaii 

Ach, und Antonio aus Peru hatte es in immerhin knapp unter 12 Stunden geschafft.

*) All World Athletes – die im Ranking besten Ironman-Triathleten

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